Sars-CoV-2-Positiv

Reading Time: 22 minutes

Corona – Mein persönlicher Erfahrungsbericht

An Covid 19 erkrankt und noch in häuslicher Quarantäne, schreibe ich nun meinen persönlichen Erfahrungsbericht über die Dinge, die mir passiert sind. Ich lege hier einiges offen und stelle Fragen, da die öffentlichen Medien lieber pauschal Angst und Statistiken verbreiten, als über Tatsachen und Missmanagement, sowohl in der Politik als auch in unserem Gesundheitssystem zu berichten. Gerne darf über manche meiner zum Schluss aufkommenden Fragen über die Kommentarfunktion diskutiert werden.

 

Angesteckt – die nackte Wahrheit

Party gefeiert?

In den Urlaub geflogen?

Im Restaurant gespeist?

Beim Friseur oder im Nagelstudio gewesen?

Eine Theatervorstellung, das Fitnessstudio oder die Oper besucht?

An illegalen Zusammenkünften mit mehr als zehn Personen teilgenommen?

Weit gefehlt! Mein Ansteckungsort in meinem Fall war mein Arbeitsplatz.

Und trotz aller eingehaltenen strengen Hygienerichtlinien, getragenen Mund-Nasen-Schütze, Abstandsregeln und stündlichen Stoßlüftens hat es mich erwischt. Nicht nur ich war betroffen, sondern noch einige andere wurden krank, inklusive Symptomen – wir waren am Ende zu acht. Die einen hat es weniger, die anderen mehr erwischt. Alle wurden vor mir krank, ich bildete nach sechs Tagen das Schlusslicht.

Anrufe von Gesundheitsämtern:

Lediglich eins von vier potentiell meldepflichtigen Ämtern meldete sich bei uns in der Arbeit, als die ersten Fälle von Covid 19 bekannt wurden. In den vier Tagen zuvor erhielten wir insgesamt drei Meldungen von Corona-Infizierten mit Symptomen aus drei unterschiedlichen Regionen in Bayern, aber es folgten keine Anrufe von den anderen drei Gesundheitsämtern. Hätten sich die anderen Infizierten von sich aus nicht gemeldet, hätten wir keine Informationen über den Schweregrad gehabt.

Ich lernte am Arbeitsplatz dazu:

Es ist immer das Gesundheitsamt zuständig für die Kontaktermittlung, das für den Wohnort des Erkrankten die Verantwortung trägt. Und nicht jedes Gesundheitsamt (re)agiert gleich. Ebenso sind die Ämter nicht miteinander vernetzt.

Erste Symptome, typisch für Sars-Cov-2

Als ich am Freitag Abend, also sechs Tage nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falles in meiner Arbeitsumgebung, die ersten Kopfschmerzen sowie ein starkes Erschöpfungsgefühl wahr nahm und dauernd fror, dachte ich noch, dass ich mich durch das dauernde Lüften verkühlt hätte oder einfach nur müde von der anstrengenden Woche war. Ich freute mich auf ein entspanntes Wochenende.

An eine Ansteckung dachte ich zunächst nicht, da ich von dem Gesundheitsamt, das sich gemeldet hatte, als KP 2 eingestuft wurde und wir auch alle Hygiene-Richtlinien eingehalten hatten. Wir wurden sogar für unser hervorragendes Sicherheits-Konzept ausdrücklich gelobt und wiegten uns in Sicherheit. Was sollte da also schief laufen?

 

Verlust des Geruchssinns

Am Samstag allerdings wachte ich mit heftigen Kopf -und Gliederschmerzen auf. Diese Schmerzen waren nicht vergleichbar mit Migräne oder anderen Kopfschmerzen. Ich erlebte sie intensiver, mehr stechend und drückend, überall und tiefsitzend.

Als Aromatherapeutin kannte ich auch das richtige ätherische Öl, das mir gegen die Schmerzen helfen sollte: Basil oder Melaleuca. Neben dem Bett hatte ich immer ein Melaleuca-Öl-Fläschchen (Teebaumöl) stehen.

Ich ergriff es sofort, öffnete das Fläschchen und tropfte mir etwas auf den Finger, damit ich meine Schläfen damit massieren konnte. Im ersten Moment fiel mir nicht auf, dass ich den Duft dieses besonders scharfen Öls gar nicht wahr nahm. Ich war noch zu müde und platt.

Als ich allerdings zur Unterstützung einen tiefen Atemzug von der Flasche nehmen wollte, stutzte ich: Es kam nichts bei mir an. Nur eine leichte Schärfe, aber kein Duft.

Wer das Teebaumöl kennt, weiß spätestens jetzt: Hier stimmte etwas nicht. Genau so erging es mir. Voller Panik versuchte ich aus dem Bett herauszuspringen, was mir beim ersten Anlauf nicht gelang. Mir taten alle Muskeln weh und das Aufstehen war eine Qual. Der darauf folgende Gang in die Küche fühlte sich an, wie ein Marathon-Lauf.

 

Verlust des Geschmacksinns

Ich musste es genauer wissen. Vom Vorabend hatte ich noch etwas sehr scharf gewürztes, indisches und schmackhaftes Essen über. Ich nahm davon einen Löffel und registrierte nichts. Ich schmeckte rein gar nichts. Nur eine leichte Schärfe  kam bei mir an.

Mir war jetzt klar: Ich hatte mich wahrscheinlich mit Corona angesteckt.

Erschöpft, verwirrt und ein wenig ängstlich kroch ich wieder in mein Bett und war froh, dass ich in den Tagen zuvor nur zu meiner Kollegin, meinem Sohn und gerade mal zehn Minuten zu meiner Freundin direkten Kontakt hatte. Meine Kontaktpersonen waren somit überschaubar und nachvollziehbar. Ich informierte alle sowie meine Vorgesetzte sofort per WhatsApp, dass ich den Verdacht hatte, dass ich mich mit Covid 19 angesteckt hatte und dass ich am kommenden Montag Kontakt zu meiner Hausärztin aufnehmen wollte.

 

Teststationen am Wochenende?

Ich überlegte sogar, mich noch am Wochenende in eine Teststation zu begeben. Schließlich sollten meine Kontaktpersonen nicht länger in Unkenntnis bleiben, ob sie möglicherweise eine KP 1 waren.

Nach ausgiebiger Recherche stellte ich allerdings fest:

Die nächsten Teststationen, die am Wochenende geöffnet hatten, befanden sich am Flughafen München oder in Haar bei München. Diese waren aber für mich, die kein Auto besaß, kaum erreichbar. Die Option, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dahin zu fahren, schloss ich sofort aus: Erstens war ich einfach viel zu schwach, um einen einfachen Weg von über einer Stunde auf mich zu nehmen. Zusätzlich hätte ich mich in insgesamt vier Busse begeben müssen. Mit Corona nicht sonderlich optimal und sicher für den Busfahrer oder weitere Passanten.

Die Möglichkeit, mir ein Taxi zu rufen, schloss ich nicht nur aus finanziellen Gründen (70 Euro für Hin und Rückfahrt) aus. Ich wollte auch nicht den Taxifahrer in Gefahr bringen, sich womöglich ebenso anzustecken. Das wäre verantwortungslos gewesen, aus meiner Sicht.

Also blieb einzig und alleine die Option, mich am nächstmöglichen Werktag in die Station meiner Heimatstadt zu Fuß und nach Überweisung meines Hausarztes zu begeben.

 

Auf zur Teststation

Insgesamt eine Stunde war ich am Tag meiner Testung im kalten Dezember bei Schneefall unterwegs: 30 Minuten brauchte ich in meinem Zustand für den Hinweg, 30 Minuten für den Rückweg. Und obwohl es bitterkalt war, kam ich schweißgebadet und mit erhöhter Temperatur wieder zu Hause an.

Eine andere Option gab es nicht, denn der Hausarzt hatte einen Hausbesuch abgelehnt und bot auch keine weitere andere Möglichkeit einer Testung an.

Der Abstrich vor Ort bei der Teststation war harmlos, die Herren waren dieses Mal netter als bei meinem ersten Test im Oktober und vor allem diskreter (im Oktober wurde ich wie eine Aussätzige behandelt, obwohl ich als KP 1 mir nichts zu schulden hab kommen lassen. Wir wurden damals laut nach unsere Namen und Arztdaten gefragt, ohne Rücksicht auf Datenschutz. So bekam jeder, der angestanden hatte, mit, wer da war und wer bei welchem Hausarzt im Ort behandelt wird).

Ich bekam (wieder) einen Scan-Code für die Corona-App, einen Beleg, den ich mit meinen persönlichen Kontakt-Daten an die Gemeinde schicken sollte und ein Blatt, mit weiteren Informationen über die Pandemie.

Natürlich installierte ich die App. Sollte man ja, zum Schutz aller. Es ist wichtig, dass ich das hier notiere – später, liebe Leser, werden Sie feststellen, warum.

Das Ergebnis meines Testes erfuhr ich recht schnell von meiner Hausärztin. Innerhalb von 24 Stunden wusste ich das, was ich bereits geahnt hatte: Ich war positiv.

Corona-App ohne Ergebnis und ohne Wirksamkeit für die Gesellschaft

Spannender Weise bestand die Corona App weiterhin darauf, dass es noch kein Ergebnis gab. Übrigens blieb das auch so sieben Tage (!) nach Bekanntwerden meines Ergebnisses beim Hausarzt und dem Gesundheitsamt!

Ich habe die App deinstalliert und mich gefragt: Was hat sie mir und den anderen, die ich schützen wollte, gebracht? Ich hatte kein zufriedenstellendes Ergebnis. Jemand aus einer Corona-Selbsthilfe-Gruppe bei Facebook berichtete sogar, dass die Corona – App ihn nicht gewarnt hatte, obwohl seine mit ihm zusammenlebende Partnerin nachweislich positiv getestet worden war. Sie hatten die Abende zuvor im Lockdown-Light gemeinsam auf der Couch verbracht.

Ich war sprachlos und bin es immer noch. Denn auch mein Sohn durfte die gleiche Erfahrung zwei Mal teilen.

Erstkontakt mit dem Gesundheitsamt

Der Herr vom Gesundheitsamt kontaktierte mich unverzüglich, sogar noch am gleichen Tag, als ich mein Ergebnis von meiner Ärztin erhalten hatte.  Er war sehr freundlich und teilte mir mit, dass er zuständig für die Erkrankten und deren Fragen war. Ich durfte ihm noch die Namen und Telefonnummern der KP 1 mitteilen, die er an seine Kollegen weiterleiten wollte. Ich lernte, KP 1 waren alle Kontaktpersonen, mit denen ich 48 Stunden vor dem Auftauchen der ersten Symptome Kontakt hatte. Frühere Kontakte waren uninteressant. Das verstand ich nicht, denn meine Symptome tauchten sechs Tage nach Kontakt mit Erkrankten auf. Eine zufriedenstellende Antwort konnte mir der nette Herr hierauf leider nicht geben.

Der Mann vom Amt sandte mir noch eine Mail mit einigen Anhängen mit weiteren Informationen und einen Link zu einem Tagebuch, das ich führen sollte, solange ich mich in Quarantäne befand und Symptome hatte. Das Tagebuch war in Form von Multiple Choice: Man konnte nur Symptome ankreuzen, aber keine individuellen Ergänzungen machen (finde ich persönlich nicht so optimal, da andere Symptome, wie Bauchkrämpfe oder Schüttelfrost oder leichte Temperatur nicht erfasst werden).

Ich wurde informiert, wie lange ich mich in Quarantäne begeben sollte (Beginn der Quarantäne-Zeitrechnung: Der Tag, an dem die Symptome auftauchten, plus 14 Tage) und wie lange mein Sohn in Quarantäne müsse (er war ohne Symptome). Meinen Sohn durfte ich frühestens fünf Tage nach meinen ersten Symptomen zum Test schicken, was wir dann auch taten. Sein Ergebnis: Negativ. Aber dennoch blieb er noch in Quarantäne.

Meine Kollegin und meine Freundin, die ebenso KP 1 waren, erhielten erst weitere drei Tage nach meinem Anruf einen Anruf vom Gesundheitsamt. Wären diese positiv gewesen, hätten sie tatsächlich den Virus insgesamt fünf Tage ab meinem offiziellen Ergebnis weiter getragen, hätte ich sie nicht selbst informiert. Nicht nur die beiden KP 1, sondern auch ich waren dann überglücklich, als deren Testergebnis negativ ausfiel.

Mein Krankheitsverlauf

Die ersten Tage

Ich lag insgesamt sieben Tage richtig flach und war zu gar nichts zu gebrauchen. Der Gang auf die Toilette war eine Herausforderung. Ich war überglücklich, dass mein Sohn bereits 16 Jahre alt war und sich einigermaßen um mich kümmerte.

Meine Kopfschmerzen waren unerträglich. Sie glichen keineswegs denen einer Migräne. Sie waren stechend und teilweise schmerzte es sogar an manchen Tagen im gesamten Gesichtsbereich.

Meine Gelenkschmerzen blieben zunächst konstant stark und traten hauptsächlich in den Armen und Schultern auf. Mein Handy oder ein Buch mehr als fünf Minuten zu halten, war mir unmöglich.

Ich konnte wegen der Kopfschmerzen auch nichts lesen oder gar einen Film länger als zehn Minuten anschauen. Somit starrte ich zwischen meinen Schlafphasen an die Decke oder postete kurze Beiträge auf Facebook. Zwei Minuten Aktionen gingen, sie lenkten mich ab und waren notwendig, sonst wäre ich nur noch in Tränen ausgebrochen, aus Verzweiflung. Ich hatte plötzlich Wortfindungsprobleme. Das kannte ich nur aus der Zeit meines Burnouts und es machte mir Angst.

Ab Tag vier ereilten mich Bauchkrämpfe, egal ob ich was gegessen hatte oder nicht. Aß ich eine Kleinigkeit, um mich bei Kräften zu halten (Appetit hatte ich gar keinen – das hält leider sogar nach 22Tagen immer noch an), wurde mir kurz darauf so übel, dass ich dachte, ich müsste mich übergeben.

Besserung in Sicht?

Nach sieben Tagen wanderten die Gliederschmerzen: Ich spürte sie entweder im Nacken, an der Halswirbelsäule entlang und im Schulterbereich oder in den Armen oder in den Beinen, Knien und im Rücken. Teilweise sogar in den Fingern waren sie vorhanden. Stechend und ziehend.

Am Tag acht kamen ein leichter Schnupfen und etwas Halsweh, dafür wurden die Gliederschmerzen besser, die Magenkrämpfe verschwanden und die Kopfschmerzen verstärkten sich. Ich konnte keinen richtigen Gedanken fassen.

Die nächsten Tage erschienen wie verhext: Ging ein Schmerz oder ein Symptom, kam ein anderes wieder oder neu dazu.

Nach ca. 14 Tagen dachte ich dann, ich würde gesund werden. Ich hatte wieder etwas Kraft, schmeckte und roch wieder ein bisschen (mein Geruchs-und Geschmackssinn ist nach 22 Tagen immer noch nicht 100 Prozent da) und ich wurde optimistisch. Ich begab mich das erste Mal in die Küche und kochte mir eine Kleinigkeit. Möglicher Weise hatten mir ein Zistrosentee, den mir eine liebe Bekannte geschickt oder/und der TCM-Aufguss, den mir meine Heilpraktikerin Anne Baumgart, bei der ich bereits mit meinen Schlafproblemen Anfang des Jahres war, empfohlen hatte, endlich gewirkt? Ich war froher Dinge und erinnerte mich, dass ich mindestens 48 Stunden symptomfrei sein musste, um wieder in die Arbeit zu dürfen. Okay, das sollte ich schaffen.

Tag 15 und weitere

Dann kam es allerdings plötzlich gewaltig: In der Nacht ereilte mich ein schrecklicher Hustenreiz, gefolgt von Herzrasen und Schüttelfrost. Ich geriet in Panik und fürchtete das Schlimmste. Am nächsten Tag trank ich weiter meinen TCM-Tee und stellte fest: Nach dem Genuss lockerte sich der Husten wenigstens. Das Herzrasen war weg und möglicher Weise nur ein Nebenschauplatz bzgl. meiner Ängste, eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung zu bekommen.

Denn einen Arzt hatte ich seit meinen ersten Symptomen nicht einmal gesehen und mich wollte auch kein Arzt empfangen, solange ich nicht negativ getestet oder symptomfrei war.

Am Tag 16 ging es wieder besser, bis dann am Tag 17 wieder ein Tief kam: Ich konnte nicht mehr abhusten, die Bronchien hatten dicht gemacht.

Ich wurde nach einer Mail von mir vom Gesundheitsamt nochmals angerufen, befragt und nun zum zweiten Test geschickt, der glücklicher Weise negativ war. Es hieß, ich sei dann nicht mehr ansteckend. Oder doch?

Mein Hausarzt traute sich, mich zu empfangen: Endlich hatte ich einen Termin in der Praxis am Tag 22.

Tag 22, endlich beim Arzt

Als ich endlich beim Hausarzt vorstellig werden durfte, wurde mir Blut abgenommen, für ein großes Blutbild. Dazu kamen noch weitere Tests, wie zum Beispiel die Leber- und die Entzündungswerte. Meine Bronchien sind tatsächlich inzwischen in Mitleidenschaft gezogen.

Ein Besuch beim Lungenfacharzt erwartet mich im Januar und zeigt, was noch betroffen vom Virus ist.

Sinn und Unsinn einer Quarantäne bei einem Teenager

Ich habe Glück, dass mein Sohn bereits 16 Jahre alt und sehr selbständig ist. Er kochte aus den Vorräten, hielt den Abstand zu mir ein und schob mir Essen, Getränke und Tee vor die Schlafzimmer-Tür und holte das Geschirr da auch wieder ab.

Wenn ich über Amazon fresh bestellte, empfang er den Lieferanten mit Mundschutz an der Tür. Er war  verantwortungsvoller als mancher Erwachsene (beispielsweise manche DHL Lieferanten, die ohne Mundschutz vor der Türe standen).  Er hatte begriffen: Die Pandemie ist kein Spaß. Allerdings musste er während der Quarantäne mehr Zeit in der gleichen Wohnung verbringen, wie er es normaler Weise tat.

Ich blieb also in meinem Schlafzimmer aus Angst, ihn anzustecken. Wir teilten uns ein Bad, das ich nach jeder Nutzung einmal reinigte und lüftete. Mehr konnten wir nicht tun und hofften, dass er sich nach dem ersten Test nicht doch noch ansteckte.

Als seine Quarantäne beendet wurde, passierten Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann

Mein Sohn war bis einschließlich 11.12. in Quarantäne geschickt worden. Also war er mit mir, die positiv und mit Symptomen in der Wohnung lebte, mehr Stunden zusammen, als zuvor.

Auch wenn er den Abstand einhielt, ich die meiste Zeit im Schlafzimmer war, so teilten wir uns ein gemeinsames Bad. Den Luxus von zwei Räumen haben wir einfach nicht. Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, wurde dadurch m.E. nach erhöht.

Laut Gesundheitsamt hätte er auch ohne weiteren Test aus der Quarantäne raus können, weil er ja symptomfrei war. Auf der anderen Seite heißt es, auch symptomfreie Menschen können das Virus weiter tragen. Ich war also misstrauisch, hinterfragte diese neue Regelung.

Nach einem ausführlichen Gespräch mit der Hausärztin meines Sohnes entschieden wir gemeinsam, Junior noch einmal testen zu lassen, obwohl es vom RKI und Gesundheitsamt nicht vorgesehen war. Wir wollten sicher gehen, dass er sich während der Quarantäne-Zeit nicht doch angesteckt hatte.

Schließlich hatte mich Corona trotz Einhaltung aller Hygiene-Richtlinien auch erwischt. Die Schule  meines Sohnes war sehr dankbar über unsere Entscheidung.

Am Freitag Mittag, dem letzten Tag der Quarantäne, erhielt mein Sohn allerdings einen Anruf von der zuständigen Behörde, die ihn in die Freiheit entließ, ohne das Testergebnis abzuwarten. Er war am Morgen noch zum Testen gegangen. Was dann passierte, war klar: Ein Teenager, der seine Freiheit liebte, ging raus und traf seine Freundin.

Am Montag drauf erst erhielt ich einen Anruf vom Arzt mit der Bestätigung, dass er negativ war. Sie können sich meine Erleichterung nicht vorstellen.

Nun stelle ich einmal folgende Frage in den Raum: Was wäre gewesen, wenn er positiv getestet worden wäre? Auch ohne Symptomen? Ist das Eindämmen einer Pandemie nicht eher mit etwas mehr Vorsicht, als Nachsicht gegeben?

Mir fehlt ehrlicherweise für solche Entscheidungen, wie sie am 11.12. von der Behörde getroffen wurde, jedes Verständnis. Auch wenn ich mich für meinen Sohn freute, dass er wieder in die Freiheit konnte, so hätte ich eine vorsichtigere Maßnahme, wie sie die Ärztin, die Schule und ich abgesprochen hatten, mehr begrüßt.

 

Erfahrungen während der Quarantäne – Du bist allein im Gesundheitssystem

Das Gesundheitsamt weißt mich eindeutig an: Ich habe in Quarantäne zu bleiben, so lange bis meine Symptome mindestens 48 Stunden ausblieben. Ich halte mich dran.

Meine Hausärztin macht klar: Solange ich in Quarantäne und ansteckend bin, wird sie mich weder zu Hause besuchen, noch in ihren Räumlichkeiten für Untersuchungen empfangen.

Der Bereitschaftsdienst sagt deutlich: Sind die Symptome lebensbedrohlich, habe ich mich in ein Krankenhaus zu begeben (notfalls mit dem Krankenwagen).

Wer “mittlere” Symptome hat, bleibt in der Grauzone: Ein Krankenhausaufenthalt wäre übertrieben und nicht gerechtfertigt (wir hören genug über Überlastungen in den Krankenhäusern), ein Arztbesuch unmöglich.

Der Patient / Erkrankte muss selbst entscheiden: Ab wann wird es für ihn lebensbedrohlich? Nun gut, ich habe ein sehr gutes Körpergefühl. Jahrelange Meditationen und Erfahrungen während und nach meinem Burnout haben mich sensibilisiert für meinen Körper: Ich weiß, wann es mir nicht gut geht, verstehe, wo meine Grenzen sind und spüre, wann Beschwerden besser oder schlechter werden.

Aber ich frage mich: Wie ergeht es älteren Menschen, die ganz alleine sind?

Was machen Alleinerziehende mit kleinen Kindern, wenn alle erkranken?

Wie ergeht es Menschen, die auf dem Land wohnen, wo es keine Lieferdienste oder Nachbarschaftshilfen gibt? Darüber, wie diese Menschen über die Runden kommen, wird nicht gesprochen oder geschrieben. Würden wir diese Menschen öfters zum Thema des Tages machen, würden “Corona-Verharmloser” anders denken?

Die Psyche leidet

Über 20 Tage krank und in Quarantäne tun meiner Psyche nicht gut. Mich kann niemand besuchen, ohne sich selbst und seine Familie in Gefahr zu bringen. Niemand weiß, was “normal” und was “nicht normal” an den Symptomen der neuen Krankheit ist. Ich weiß nur: Ich bin krank und meine Psyche leidet ab Tag 10 immer mehr.

Die Situation eskaliert, als mir meine Freundin nicht glaubt, dass ich von meiner Ärztin nicht behandelt werde. Und dass ich ins Krankenhaus müsste, wenn ich untersucht werden wollte, versteht sie nicht. Ich kann nichts dafür, dass es bei mir so ist. Vielleicht erlebt jemand etwas anderes?

Als ich mehr recherchiere erfahre ich: Der Mehrheit der Erkrankten geht es ähnlich. Nach dem Streit mit meiner Freundin geht es mir nicht nur psychisch schlechter, ich weine mich in den Schlaf, meine Kopfschmerzen werden schlimmer und ich fühle mich so unverstanden wie noch nie.

Ich spüre die Spaltung in der Gesellschaft nun auch im Freundeskreis: Betroffene landen nicht nur in der Quarantäne, sondern auch in einem System, in dem sie mit der Krankheit Corona alleine gelassen werden und sie nicht ernst genommen werden, weil sie zwischen “symptomfrei”(Glück gehabt) und “todkrank”(am Beatmungsgerät) stecken.

“Iß doch eine Hühnersuppe, die macht gesund” (ich bin Vegetarier) oder “Du hast doch nur eine Grippe”, “geh spazieren und pfeif doch auf die Quarantäne” sind Sätze, die ich nicht nur einmal höre oder lese.

Mir scheint jeder hilflos zu sein, niemand weiß so richtig darauf zu reagieren, wenn der (Facebook)Freund, die Kollegin, die Angestellte oder die Freundin an Corona erkrankt ist. Also wird es lieber verharmlost und als normale Grippe oder Erkältung abgestempelt.

Ich bin aber Betroffene und weiß es nun besser. Es ist nicht vergleichbar mit einer Grippe!

Ich bin es leid, mich rechtfertigen zu müssen. Ich bin müde und will einfach nur endlich richtig gesund werden.

Sätze, wie “Du hast doch Selbstheilungskräfte” sind auch nicht hilfreich. Dass ich Selbstheilungskräfte habe, weiß ich auch. Nur welchen Kampf die kämpfen, weiß wohl niemand besser als ich.

Mir wird bewusst, wie hilflos auch unsere Ärzte und Krankenschwestern sind, niemand kann mit dem Virus umgehen und kennt seine Folgen. Ich kann nachvollziehen, warum manche Krankenhäuser an ihre Grenzen kommen: Erkrankte sind genau so verunsichert. Schon alleine wenn ich meine letzten 22 Tage überblicke, weiß ich heute immer noch nicht, wie es weiter geht.

Möglicher Weise gehen auch die ins Krankenhaus, deren Symptome noch nicht so gravierend sind, während die, die es nötig hätten, zu Hause bleiben…Wann weiß man denn schon, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, wenn kein Arzt sich in der Quarantäne-Zeit kümmert?

 

 

Zuerst bist Du in der Statistik “Erkrankte” und dann in der Statistik “Genesene”, aber Spätfolgen erfasst niemand in einer Statistik

In den letzten Wochen stellte ich mir viele Fragen:

  1. Warum werden Kontaktpersonen ersten Grades entweder gar nicht oder viel zu spät vom Amt informiert?
  2. Warum werden Arbeitgeber nicht schneller informiert, wenn Mitarbeiter positiv gemeldet sind? Mein Arbeitgeber hat drei oder vier Tage auf den Anruf vom Amt gewartet.
  3. Warum werden KP 1, die im gleichen Haushalt leben, nur einmal (in der Mitte der Quarantäne) getestet und nicht zwei mal, bevor sie wieder raus können? Schließlich können sie sich während der Quarantäne doch noch anstecken an dem Erkrankten, der Symptome hat.
  4. Warum untersuchen nicht alle Ärzte Corona-Erkrankte wenigstens außerhalb des normalen Personenverkehrs? Ich glaube nämlich, dass hier einige Todesfälle vermieden werden könnten. Ich weiß von manchen Ärzten, die das tun, während andere Corona-Erkrankte meiden wie die Pest.
  5. Mein Tagebuch durfte ich nur im Zeitraum vom 2.12. bis zum 6.12. ausfüllen. Davor (also ab dem Auftauchen der ersten Symptome) und danach hatte ich keinen Zugriff mehr darauf. Somit sind Informationen über Symptome und Dauer der Erkrankung nicht richtig erfasst worden. Warum ist das System also so gestaltet? Mehr Informationen könnten doch mehr Daten und bessere Erkenntnisse bringen? Hier muss meiner Ansicht nach unbedingt nachgebessert werden.
  6. Was ist der Grund dafür, dass unterschiedliche Gesundheitsämter im gleichen Bundesland (Bayern) unterschiedlich arbeiten und uneinheitliche Regelungen haben? Ebenso fehlt mir ein gutes Netzwerk zwischen den Gesundheitsämtern, mit dem ein Austausch statt findet. Dazu gab es seit März 2020 eigentlich genug Zeit.
  7. Warum funktioniert die Corona-App nicht? Mein Sohn hat zwei Tage nach seinem Ergebnis, das er vom Arzt erhalten hat, immer noch in der App “Es liegt noch kein Ergebnis vor” stehen. Bei mir stand der Text Tage nach Erhalt meines ersten positiven Ergebnisses immer noch, ich löschte die App daraufhin.

Die größte Frage aller Fragen

Wenn wir mit Statistiken schon so um uns werfen, was hält die Behörden davon ab, Daten von denen zu erfassen, die Wochen-oder Monate lang noch an Nachwirkungen von Covid-19 leiden? Seit März 2020 hätte man da einiges sammeln können. Das habe ich inzwischen gelernt: Es gibt viel zu viele Betroffene mit Spätfolgen, aber noch werden sie als “Ausnahmen” geführt. Das macht es “Corona-Leugnern” und “Verharmlosern” einfach, alles zu beschönigen und nicht die tatsächliche Gefahr, die vom Virus ausgeht, zu erfassen.

Denn das ist das tückischste am Virus: Nicht nur die schnelle Ansteckung, sondern auch die Nachwirkungen, die uns und unser Gesundheitssystem treffen, sind als gefährlich einzustufen und müssen anerkannt und in Statistiken berücksichtigt werden.

 

Eine große Bitte

Wenn Sie gesund sind, engagieren Sie sich bitte in Ihrer Nachbarschaft. Bieten Sie Hilfe an, sei es für die Besorgung von Lebensmitteln oder Medikamenten oder dafür, dass Sie jemanden, der krank und in Isolation ist, einen lieben Brief schreiben und diesen vor seine Wohnungstür legen.

Krank zu sein, das ist schon belastend. Aber krank und isoliert zu werden, das geht an jede menschliche Substanz und macht es unseren Selbstheilungskräften nicht einfacher.

 

Ich hatte Glück und ein paar liebe Menschen um mich herum

Mein Burnout hatte mir vor über drei Jahren gezeigt, dass ich mein Netzwerk aufbauen muss. Ich hatte auch gelernt, um Hilfe zu bitten, wenn ich welche brauche. Das habe ich umgesetzt und konnte nun davon profitieren.

Da ich auch sehr offen mit meiner Erkrankung umgegangen bin, habe ich ganz liebe Menschen in meiner näheren Umgebung gehabt, die mir Besorgungen angeboten, Unterlagen ausgedruckt, Teemischungen empfohlen und auch geschickt und sich nach meinem Befinden regelmäßig erkundigt haben.

Auch meine Heilpraktikerin, die in TCM bewandert ist, Anne Baumgart, war mir eine große Stütze. Wir haben uns viel schriftlich ausgetauscht. Nach einer eingehenden Beratung per Video ließ sie mir eine TCM Mischung von einer Apotheke zubereiten und senden. Hätte ich diese nicht gehabt, bin ich überzeugt, dass es mir heute schlechter gehen würde. Nach Einnahme des Tees schwitzte ich so einiges aus und schlief sehr viel und tief. Es hat mir wirklich geholfen.

Ebenso erwähne ich gerne Frau Dr. Elisabeth Gaudernak, mit der ich Kurse für Aromatherapie-Ausbildungen organisiere: Sie hat mir sehr gute Unterstützung geleistet.

Diesen Menschen möchte ich ein großes Dankeschön aussprechen. Ich wünsche ihnen allen und auch Ihnen, liebe Leser, viel Gesundheit und Achtsamkeit.

Und lassen Sie sich nicht verunsichern. Manches macht wirklich keinen Sinn in den Regeln. Aber das, was am meisten Sinn macht, wissen wir alle am Besten: Zusammenhalt, Verständnis und Eigenverantwortung.

 

 

(Fotos: Pixabay, dōTERRA, Deborah Bichlmeier)

 

 

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4 Kommentare
  1. Marlene Zöller-Borggreve
    Marlene Zöller-Borggreve says:

    Liebe Deborah, ich habe deinen Blogbeitrag gelesen. Er hat mich sehr berührt. Das was du da erlebt hast, macht deutlich, wie allein man als Corona Erkrankter sein kann. Deshalb ist es absolut wichtig ein Netzwerk zu haben. Es macht schon fassungslos, wie Ärzte auch damit umgehen. Von meiner Raumpflegerin der Sohn ist Intensiv-Krankenpfleger der hatte auch Corona und sie war auch in Quarantäne. Der ist immer noch postiv getestet, aber Symptome hat er nicht mehr. Ich mache als Therapeutin zur Zeit nur OnlineTherapie das klappt sehr gut. Ich schütze mich schon sehr, aber es hat mich schon gewundert, das sich in deiner Arbeitsstelle 8 Personen angesteckt haben. Das ist mehr als komisch. Was sagt denn da der Chef/in?
    Ich hoffe dir geht es wieder gut.
    Alles Liebe dir und schöne Feiertage!!
    Liebe Grüße
    Marlene Zöller-Borggreve ❤

    Antworten
    • Deborah Bichlmeier
      Deborah Bichlmeier says:

      Liebe Marlene Zöller-Borggreve,
      vielen Dank für Deinen Beitrag und Deine lieben Worte.
      Zu meinem Arbeitgeber: Es ist eine Schule. Danach wurden alle Unterrichtseinheiten auf Online umgestellt. Da war der Umgang sehr verantwortungsvoll.
      Ich finde es sehr gut, dass Du als Therapeutin online weiter arbeitest. Das ist so notwendig, gerade zu der jetzigen Zeit.
      Ich wünsche Dir weiterhin viel Gesundheit.
      Herzliche Grüße, Deborah

      Antworten
  2. Manfred
    Manfred says:

    Vielen Dank Deborah für deinen persönlichen und ausführlichen Erfahrungsbericht.
    Finde ich sehr gut bei Allem was so in den Medien verbreitet wird.

    Antworten
    • Deborah Bichlmeier
      Deborah Bichlmeier says:

      Vielen Dank, Manfred. Ich hoffe, mit meinem Beitrag mehr auf die wirklich wichtigen Themen während der Corona-Zeit aufmerksam zu machen.
      Herzliche Grüße, Deborah

      Antworten

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