Wenn die Depression kommt…

Hier ein Beitrag aus meiner Zeit, in der ich über die Depression geschrieben habe:

 

Knocking on your door…

Wenn du spürst, dass die Depression kommt, hast du das Gefühl, diese Welle nicht aufhalten zu können. Du weißt aber, wenn du nichts tust, wird die Welle zu einem Tsunami, der dich unter sich begräbt, dir die Luft zum Atmen nimmt, dein Gehirn ganz vernebelt und deine Gedanken schwärzt.

Wie es ist…

Dann wird der Tsunami dich in ein schwarzes Loch hineinziehen, das sich ganz tief in deiner Seele befindet. So tief, dass jedes Herauskommen aus diesem Loch vielleicht nicht mehr alleine und ohne Medikamente möglich sein wird. Weil du das alles weißt, überkommt dich Panik. Sie drückt dein Herz so fest, dass es weh tut, sie lässt deinen Atem stocken. Möglicher Weise kommt dein Tinitus, der sich immer meldet, wenn du unter Stress stehst. Wenn die Depression sich ankündigt, stehst du unter Stress und dann ist der Tinitus auch da. Also wird er sicher kommen, nicht nur vielleicht…Er pfeift mit durchgehendem und lauten Ton. Oft ist es so, als ob eine Sirene losgeht, die vor dem Tsunami warnen soll… Als ob du nicht schon längst weißt, dass Gefahr lauert. Große Gefahr.

Der innere Konflikt…

Du beginnst mit dir selbst zu streiten, denn der eine Teil von dir möchte sich verkriechen, ins Bett gehen und die Decke über die Ohren ziehen und dich dem Tsunami übergeben, laut dem Motto, du bist zu schwach zum Kämpfen. Du willst auch nicht mehr weiter kämpfen, nicht schon wieder… .Du spürst dabei totale Erschöpfung und eine lähmende Müdigkeit. Zu denken fällt dir immer schwerer. Dein Kopf wird langsam in immer mehr Watte gepackt. Die Sonne beginnt sich zu schwärzen… .

Der andere Teil von dir aber ist der Kämpfer. Der Kämpfer weiß: Du wirst es schaffen, wie so viele Male davor, denn du hast in der Reha und in den letzten Jahren der Therapie dein Werkzeug zum Kämpfen erhalten. Deine Therapeuten und Mentoren haben dir den Gebrauch dieser Waffen gegen die Depression, deinem persönlichen Tsunami, gezeigt. Der Konflikt zwischen den zwei Seiten in dir macht dich noch erschöpfter und du weißt, wenn du nicht jetzt sofort etwas tust, ist es vorbei und das schwarze Loch wird dich in sich einsaugen und deine letzte Lebenskraft aus dir herausziehen.

Deine Waffen…

Du könntest ein schönes Lied hören und dazu singen. Denn singen hilft. Aber der Kraftaufwand, den du inzwischen dafür bräuchtest, wäre immens. Ein Lied zu hören, das fühlt sich gerade in diesem Stadion gar nicht gut an.

Du könntest eine Phantasie-Reise machen, aber heute spürst du eine große Unruhe in dir, du kannst nicht still sitzen.

Du möchtest inzwischen laut schreien und erkennst: Du musst laufen, trotz Erschöpfung. Alles, was jetzt kommt, fühlt sich an, als ob Du noch mehr Kraft benötigst. Aber das sind alles Gefühle, die in dir schlummern, noch sind sie keine Realitäten. Sie werden erst dann zur Realität, wenn du ihnen die Oberhand lässt.

Die Realität Deiner Kämpferin hat dir oft gezeigt, dass es dir nach den ersten fünfzehn Minuten laufen erheblich besser geht und dass du es so schaffst, dem Tsunami  zu entkommen. Und wenn du nicht sofort weglaufen kannst, weißt du, dass du darüber schreiben kannst, wie es sich anfühlt, dass du es auch malen kannst oder es mit einem deiner anderen Instrumente schaffst. Du hast gelernt: Du bist stark und wenn du aus der Krise heraus gekommen bist, darfst du dich ausruhen, bei guter Musik vielleicht…

Ich werde jetzt laufen gehen.

 

Anmerkung:

Sie interessieren sich für therapeutisches Schreiben neben Ihrer Therapie? Vereinbaren Sie einen ersten Termin mit mir:

info(at)mama-brennt.de

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