Vereinsamung und andere Folgen der Pandemie

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Wenn Du Deine wahren Freunde und die wirklich wichtigen Dinge im Leben erkennst…

Im Jahre 2020 fing das Drama an

Es war einmal ein Virus, und das kam aus der Volksrepublik China. Genau genommen aus Wuhan, einer Stadt mit einer Bevölkerungsdichte von mehr als 11 Millionen Einwohnern. (2018)

Das Virus überrannte uns quasi. Mit ihm gab es mancher Orts Chaos und Leid. Dabei spiegelte es unsere eigene Geschichte, unsere moralischen und ethischen Grundsätze und nahm uns das, was wir zu dem Zeitpunkt als Normalität im Alltag erlebten und was wir heute Luxus nennen: Unsere Freiheit überallhin zu reisen, bei Lust und Laune zu shoppen oder regelmäßig zum Friseur oder zur Pediküre zu gehen.

Unannehmlichkeiten im Alltag?

Das, was uns 2020 aus der Bahn warf, war ein winziger Virus, der sich schneller als ein Feuer ausbreitete. Dabei brachte es Wissenschaftler und Politiker vor Herausforderungen, die sie sich bis Dato nie so vorgestellt haben. Überforderung, Uneinigkeit, Schwurbelei und so einiges anderes gab es und gilt es immer noch zu bewältigen.

Und weil das Virus jetzt auch noch mutiert, bleibt es herausfordernd. Auch wenn wir gerade wieder ein Stückchen Normalität genießen dürfen.

Wir machen dann mal dicht

Am Anfang wurde das Virus verharmlost, dann aber alles dicht gemacht. Eins folgte nach dem anderen: Wir wurden in unsere Wohnungen gerufen, mit Lockdowns und seltsamen Ausgangssperren, die anmuten liesen, das Virus sei ein Langschläfer aber dafür ein Spätzünder, der erst ab 21 Uhr agierte. Schließlich wurden wir vom Büro ins Homeoffice geschickt und zusätzlich verbat man uns die Möglichkeit an Kulturveranstaltungen teilzunehmen und die Gastronomie zu besuchen. Der Virus darf sich bitte nicht amüsieren, während er sich verbreitet, nur im überfüllten Supermarkt ist er noch erlaubt.

Am Ende sollten die Schüler nicht mehr in die Schulen, Kinder durften nicht mehr in Horte und Kindergärten.

Mit Mundschutz in Form von FFP2-Masken und Desinfektionsmittel bewaffnet ging der “Überlebenskampf” los. Politiker und andere selbsternannte Wissenschaftler machten weiter mit dem “Schwurbeln”. Natürlich, das war eine Ausnahmesituation, mit der niemand gerechnet hatte. Es fehlte an Erfahrungen. Plötzlich beriefen sich Minister und Kanzler auf Wissenschaftler (Bei der Klimakrise vermisse ich dies immer noch ganz besonders). Aber wer hat recht? Welche Statistiken sind korrekt? Und beim Impfen werden nun plötzlich alle früheren Rahmenbedingungen und Richtlinien, die zum Schutz des Lebens und der Unversehrtheit unserer Gesundheit dienten, gestrichen.

Es muss alles schnell gehen, obwohl wir eigentlich wissen sollten, dass manches nicht einfach so “dahingerotzt” werden sollte, weil es sonst echt schief gehen kann. (Wenn Du etwas gut machen willst, mach es langsam)

Was aber alle vergaßen, in der ganzen “Herumflickerei” von Maßnahmenpaketen und dem Aktionismus bei den Reglements, waren und sind die Kinder, die Jugendlichen, die Einsamen, die Singles und die ohne Familien oder echten Freunde.

Sie blieben und bleiben auf der Strecke, bei all den Überlegungen. Menschenverstand und Achtsamkeit suche ich hier manchmal verzweifelt.

 

Was haben wir nicht alles getan…

damit Menschen ohne Familien, Jugendliche und Kinder ohne Halt, Singles ohne Partner, Depressive und viele andere nie vereinsamen, Gewalt erfahren oder anders leiden?

Wir haben Vereine und Jugendzentren gegründet. Den Kindern wurden Horte und Spielgruppen geboten. Die Einsamen gingen in Kuschel-Cafés (die gab es wirklich).

Viele andere Möglichkeiten wurden geboten, damit die, die alleine waren, wenigstens ein bisschen von dem erfuhren, was uns Menschen ausmacht: Ein soziales Miteinander, etwas Kunst und Kultur für Geist und Seele. Vieles war gepaart mit Momenten der Sicherheit, des gegenseitigen Respektes, Verständnisses und der Geborgenheit.

Aber all diese Menschen blieben während der Pandemie auf der Strecke …

 

Wer es noch nicht kannte, erfährt es jetzt

“Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf”, um Stabilität  und Sicherheit zu erfahren, aber auch. Plus Selbstwert und Selbst-BEWUSSTSEIN.

Seit der Industrialisierung sind Familien regelrecht auseinander gebrochen. Single-Haushalte sind keine Ausnahmen mehr, Kleinstfamilien mit Alleinerziehenden fast schon Normalität.

Alte Menschen, die alleine leben und nur in Seniorenvereinen noch Zuspruch erfahren, sind in unserer Zeit allgegenwärtig.

Aber wir haben selten oder gar nie hingesehen. Wir haben uns amüsiert, Zerstreuung gesucht und waren “shoppen”.

Und nun hat dieser Virus etwas geschafft, was der Mensch nie konnte: Er hat uns gezwungen hinzusehen und sogar manchmal selbst hineinzuspüren, weil es nämlich auch uns selbst getroffen hat: Alleine im Homeoffice, überfordert mit Homeschooling, Einsam und womöglich sogar auf sich selbst gestellt in der Quarantäne mit einem Virus, vor dem wir Angst haben sollten, aber immer noch nicht genau wissen, was er mit uns tut. On Top fühlen wir das, was Hartz IV-Empfänger und sozial Schwächere schon lange kennen: Es gibt keinen Luxus beim Friseur, wir müssen auf Wellness und Fitnesscenter verzichten und der Balkon oder der Garten sind unser neuer Urlaubsort, statt der griechischen Insel oder Mallorca.

“Wie fühlt es sich an?” fragt uns das Virus leise.

“Wer sind meine Freunde? Und was macht noch Sinn?”, fragst Du Dich vielleicht in diesen Zeiten.

Worum geht es wirklich?

Wohin muss sich unsere Gesellschaft jetzt verändern?

Was ist wirklich wichtig im Leben?

Und wer von meiner Familie, wer von meinen Freunden besitzt die Stärke, mit dieser Situation so zurecht zu kommen, ohne früher oder später daran zu zerbrechen?

Unsere Großeltern haben einen Krieg erlebt. Wir haben einen Virus. Was bekommen unsere Kinder?

Wie werde ich persönlich mit den Existenzängsten, die sich mir stellten oder jetzt erst stellen, auf lange Sicht umgehen können, wenn die Politik und Wissenschaft schon im Juni von der möglichen vierten Welle sprechen?

 

Persönliche Herausforderungen

Diese Fragen und noch viele andere stellte ich mir selbst in den letzten Wochen oft. Ich erkrankte Ende November 2020 selbst an Covid 19, wurde arbeitslos, meine Achtsamkeits-Kurse, die ich gab, fielen aus und mein Sohn landete vor den Abschlussprüfungen im letzten Schuljahr im Homeschooling.

Innerhalb kürzester Zeit stellten sich mir so viele Herausforderungen, dass ich mich vor einem fast unbezwingbaren Berg sah, mir aber trotzdem dabei dachte: Wie gut, dass wir keine weiteren Probleme hatten. Ja, liebe LeserInnen: Es gibt Schlimmeres.

Ich überlegte in dieser Zeit: Kann unsere Gesellschaft nach oder mit dem Virus weiter so machen, wie bisher? Und warum waren plötzlich einige Freunde von mir nicht mehr da? Wie ging es ihnen wirklich?

So wie früher?

Ich lese in Facebook Kommentaren und Posts Sätze wie “Ich will mein altes Leben zurück” oder “Ich möchte wieder reisen können”. Dann frage ich mich aber: Ist das alte Leben wirklich so erstrebenswert, wenn wir in einer Not-Zeit die vergessen, die unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gestaltet haben und gestalten werden?

Wir vergessen die Alten, die kein Internet oder keinen PC besitzen um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten oder sich während einer Quarantäne zu verpflegen. Wir ignorieren die Kinder und die Jugendlichen, denen eingeredet wird, dass sie potentiell “gefährlich” für ihre Großeltern seien, weil sie den Virus unbewusst übertragen. Auch sehen wir nicht, wo Familien im Verborgenen überfordert sind und Lösungen in Gewalt oder Sucht suchen, weil sie es nicht anders können.

Vielleicht schweigen wir auch, wenn Freunde, Nachbarn und Singles sich einsam fühlen und nach Hilfe rufen. Sie sind alleine, weil sie während der Pandemie nicht mehr das tun können, was sie vorher getan haben. Sie haben ihre Mitte verloren oder hatten sie nie gefunden.  Dann sind auch wir still, weil wir keine Lösung haben oder weil es uns selbst so ähnlich oder gar schlechter geht.

Es ist Zeit, sich der grundsätzlichen Frage zu stellen, ob wir wirklich da weiter machen wollen, wo wir aufgehört haben, oder ob wir es anders machen: Nämlich besser und am Ende so, dass der nächste Virus oder Notfall eben nicht so chaotisch und fraglich abläuft.

Eines sollten wir nie vergessen

Auch wenn der Virus gerade (9. Juni 2021) nicht wütet, so sind die Folgen der letzten Monate so gravierend, dass wir sie kaum einschätzen können.

Es wird einige Insolvenzen geben, Panikstörungen und Depressionen hören nicht einfach auf, wenn der Lockdown zu Ende ist, und nach dem großen Brennen in vielen Berufsgruppen folgt meist auch ein Ausbrennen (Burnout).

Von traumatischen Erfahrungen sowie Spätfolgen nach einer Erkrankung mit Covid 19 wird immer wieder vereinzelt berichtet. Davon abgesehen: Klinik- und Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen mussten in den “Hochzeiten” der Pandemie weit über ihr Limit hinaus gehen und ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Als Coach für Burnoutprävention ist mir nur zu gut bewusst, welche Folgen das für diese Menschen haben kann.

Dass unser Schulsystem marode ist, wissen wir seit Jahrzehnten: Beginnend bei der fehlenden Hygiene auf den Toiletten, überfüllten Klassenzimmern bis hin zu einem föderalistischem Schul- und Lehr-System, das über 150 Jahre alt ist.

Jahrzehnte hat die Politik versagt und an den falschen Ecken gespart. Mit dem Virus fiel es nicht nur uns Eltern auf die Füße, sondern auch und gerade unseren Kindern, die am Wenigsten dafür können.

Gesundheitssystem und Geldgier

Ein Gesundheitssystem, das nicht mehr der Gesundheit, sondern dem Geldbeutel von Pharma-Lobby und Privatinvestoren zuträglich war, poppt gewaltig hoch. Am Ende leiden die Erkrankten und immer das Personal. Geld wird trotz der Pandemie immer noch gemacht, aber eben wieder auf dem Rücken der Anderen und nun noch offensichtlicher, wie früher.

Arbeitsämter schieben kranke Arbeitslose zu den Krankenkassen, Krankenkassen schieben diese entweder wieder zurück zur Agentur für Arbeit, zum MdK oder gar zum Rentenversicherungsträger. Niemand will die dauerhaften Kosten der Post-Covid-Erkrankungen tragen, alle berufen sich auf die “Gesetze” vom Gesetzgeber.

Es gibt viele andere Themen, die in den letzten Monaten sichtbar wurden. Sie kamen während der Pandemie ans Tageslicht, quasi wie der dreckige Schlamm und Schlick nach einem Tsunami. Noch können wir es sehen, wenn wir nicht den Blick bewusst davon abwenden.

Mein Appell an die Gesellschaft kommt jetzt deutlich und klar: Schauen wir hin!

Seien wir uns bitte einmal gewahr, dass unsere Politiker nicht die Götter in Anzügen sind, sondern schlichtweg Angestellte der Gesellschaft, die uns und unsere Kinder schützen sollten, statt ihren eigenen Geldbeutel zu füllen und ihre Wählerschaft und Spender bei Laune zu halten.

Kritik und Selbstreflexion nach und in der Pandemie

Was haben wir aus den letzten Monaten gelernt?

Welche Bedürfnisse haben wir selbst gespürt, was konnten wir sehen und welche Ängste wurden offensichtlich?

Wer sind unsere echten Freunde und wo haben wir gelernt, dass “Allein sein” auch mit Einsamkeit verbunden sein kann, auch dann, wenn wir in unserer Mitte zu sein schienen?

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und doch haben sich in den letzten Jahrzehnten einige Menschen ziemlich “asozial” und materialistisch verhalten. Egoismus ist nur dann gesund, wenn er anderen keinen Schaden zufügt. Egal wann. Denn Schäden entstehen nicht immer sofort, sondern teilweise erst Jahrzehnte später. Das durften wir während der Pandemie lernen und werden es in den nächsten Jahren weiter lernen, wenn wir nicht JETZT hinsehen. Wir tragen alle die Verantwortung dafür, wie es weiter geht.

Auf dem Balkon zu stehen und zu klatschen ist zwar schön. Das hilft aber eher in der Oper, wenn der Sänger eine hervorragende Leistung erbracht hat, wofür wir eine teure Eintrittskarte bezahlt haben.

Aber weder dem Gesundheitswesen noch dem Schulsystem hat es geholfen, dass wir klatschten.

Genau so wenig hilft es dem Kassierer an der Supermarktkasse oder den DHL-Boten, die einen Hungerlohn für ihre Leistungen erhalten.

Es wird offenkundig, dass nicht der Banker oder der BMW-Manager unser wichtigster Anker in der Pandemie war. Im Gegenteil: So manche Bank hat einigen Angestellten in Kurzarbeit, Solopreneuren und Kleinunternehmern den Kick in die Insolvenz beschert, weil sie keine Gnade erwiesen und in einer Ausnahmesituation trotzdem auf ihr Recht pochten. Beschämend ist das, das sage ich ganz ehrlich!

Jetzt liegt es an uns, Fragen zu stellen und das zu verstehen, was eigentlich offensichtlich sein müsste:

WAS IST WIRKLICH WICHTIG IM LEBEN?

WER SIND DIE WICHTIGEN MENSCHEN in meinem/unserem Umfeld?

Gesundheit

Gesundheit ist Prävention, Fürsorge und Nachsorge. Nur wenn wir Achtsamkeit leben, erlangen wir geistige und körperliche Gesundheit. Sowohl für uns, als auch für alle Wesen auf der Erde.

Ganzheitliche Gesundheit ist allumfassend. Es beginnt da, wo wir mit der Umwelt in Kontakt sind und endet bei uns auf dem Teller und  auch bei unseren Handlungen.

Ein Virus entsteht, bleibt und vergeht. Der nächste wartet aber vielleicht an der Tür, im nächsten Schweinestall oder im schmelzenden Gletscher. Viren wird es immer geben. Sei es, dass sie aus einem Labor kommen oder ein Produkt unserer heutigen Lebensweise sind, die manchmal mit Achtsamkeit rein gar nichts mehr zu tun hat.

Fragen Sie sich

Warum konnte dieser eine kleine Virus bei uns so viel Leid schaffen? Wie konnte es dazu kommen? Und wollen wir wirklich unser “altes Leben” zurück, das genau diesem einem Virus so viele Türen und Tore geöffnet hat?

Ich möchte nicht mein altes Leben zurück, denn ich befinde mich da, wo ich tatsächlich einiges anders machen will und werde.

Ich hoffe, Ihnen hat mein Beitrag heute gefallen und Sie dazu angeregt, mit Freunden, Kollegen und Familie zu diskutieren und nachzudenken. Vielleicht haben Sie sich aber schon selbst diese und noch andere Fragen gestellt? Ich freue mich natürlich über Ihren Kommentar und lade Sie zur Diskussion ein.

Bleiben Sie gesund!

Anmerkung: Dieser Beitrag ist spiegelt meine persönliche Wahrnehmung und Erfahrungswerte aus meiner nächsten Umgebung wieder.

Fotos: Deborah Bichlmeier

 

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