Kraft der Worte – sanftes Streicheln oder scharfes Messer?

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Worte – wie eine leichte Brise oder ein verletzendes Schwert

Letztens habe ich einen kleinen Vortrag gehört. Er ging über die Kraft unserer Gedanken, aber auch über die Kraft unserer Worte, die wir wählen. Der Vortragende verwendete als Beispiel einige Worte, welche in mir ein Wohlgefühl erzeugten. Wie zum Beispiel “innerer Frieden, Ruhe, Genuss, Leben” und ähnliche. Manches davon fühlte sich tatsächlich in dem Moment an wie eine leichte Brise am Meer, die meine Haut sanft streichelte und mich an den weißen Strand am Atlantik zauberte. Ich empfand tatsächlich während des Zuhörens einen Moment des Friedens und des Glücks.

Ich erinnerte mich, warum ich so gerne schrieb und welche Bücher mich in den letzten Jahrzehnten besonders verzauberten. Gerade auch das Buch “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg…” hatte ein ähnliches Gefühl bei mir erzeugt. Damals fand ich die Sprache (in dem Fall die Übersetzung) so schön, dass ich teilweise sogar manche Sätze zwei oder drei Mal las. Das Buch fühlte sich für mich an wie Musik. Stellt euch euren Lieblingssong vor. Schließt eure Augen, spürt, was er mit euch macht. So fühlen sich für mich manche Bücher, Gedichte und Worte an.

 

 

Wie Musik – Farsi oder Deutsch

Als ich im Alter von fünf Jahren nach Deutschland kam, sprach ich kein Wort Deutsch. Ich kam gerade aus Teheran und Farsi war meine Heimatsprache. Ich liebte den Klang der iranischen Volksmusik.  In den ersten Wochen in München konnte ich mich mit der “harten deutschen” Sprache genau so wenig anfreunden, wie meine deutschen Großeltern mit der iranischen Musik, die in deren Ohren fremd- und eigenartig klang. Gut, ich kam auch noch in das kritischste Deutsche Bundesland: Bayern. Der Bayer klingt an sich schon für so manchen Hochdeutschen sehr barsch und wie ein Haudegen, wenn man es nicht gewohnt ist.

Da ich allerdings die ersten eineinhalb Jahre während meiner  Zeit in München ausschließlich bei meinen deutschen Großeltern lebte und mit mir niemand Farsi sprach, lernte ich die deutsche Sprache recht schnell. Genau so schnell vergas ich leider meine Heimatsprache Farsi. Und doch besitze ich noch heute die Fähigkeit, in der Öffentlichkeit Farsi sofort zu erkennen, wenn es jemand spricht, und kann direkt herauszuhören, ob zwei Menschen streiten oder Spaß haben.

Sprache ist für mich wie eine Komposition, mit der man, wenn man die Technik bestmöglich beherrscht, wunderbare Geschichten erschaffen kann. Ich habe gelernt: Es ist nicht alleine die Wahl der Worte, die uns streicheln oder verletzen kann, sondern auch die Art, wie wir sie anwenden und aussprechen. Und manchmal ist der Dialekt auch etwas, was alles “anders gemeint”erscheinen lässt.

 

Der Komponist in meinem Kopf

Unsere Gedanken bestimmen unsere Realität. Genauso, wie ich mit Musik meine Stimmung heben oder drücken kann, verhält es sich mit meinen Gedanken. Es sind manchmal besonders kraftvolle Worte, die ich in meinem Kopf nutze, wenn ich wütend bin, es sind sanfte, wenn ich ins Mitgefühl oder in Liebe gehe. Je nach dem, welche Worte und Gedanken ich in meinen Kopf hineinlasse, dort behalte oder gar ausspreche, so fühlt sich für mich meine Realität dann an. Entsprechend nehme ich dann meine Umwelt wahr.

Die Pandemie während der letzten zwei Jahre hat uns klarer denn je gezeigt, welche Macht Worte haben. Nicht unser eigenes Wohlgefühl, sondern auch das der anderen wird durch die “richtige” oder “falsche” Wortwahl beeinflusst. Viele Freundschaften oder Familien gingen auseinander. Worte wurden zur Propagandamaschine.

Provokation und Waffenschau

Wenn wir achtlos Worte, die Wut und Hass erzeugen können, verwenden, nennt man diesen Akt in der gewaltfreien Kommunikation “Waffenschau”. Der eine fängt an, der andere reagiert darauf. Diese Spiele gibt es nicht nur im Sandkasten bei unseren Kindern, sondern ebenfalls bei uns Erwachsenen.

Auch und gerade wir Erwachsenen sagen oft in der Wut Dinge, die wir im Nachhinein bereuen und nicht mehr rückgängig machen können. Das Fatale dabei ist, dass wir, während wir sie aussprechen,  genau wissen, dass wir den anderen dabei verletzten.

Wenn mich jemand mit Worten triggert, hat er meinen Wunden Punkt getroffen, unbewusst oder bewusst, das sei dahin gestellt. Es ist am Ende gleichgültig mit welcher Intention mein Gegenüber das geschafft hat, denn kaum sind seine Worte ausgesprochen, die meinen wunden Punkt treffen, sinke ich zu Boden oder ich werde zur Kriegerin.

Ich spüre, wie mein inneres Kind die Kontrolle übernehmen will und die “Sandkastenspiele” mit Schaufel und Eimer beginnen. Wenn mir das passiert, reagiere ich: In die Ecke gedrängt oder verletzt, atme ich tief durch und zähle bis zehn, manchmal sogar bis zwanzig, um Dampf raus zu lassen und wieder selbst die Kontrolle zu erlangen. Leicht ist es sicher nicht immer, aber je öfter ich übe, desto besser werde ich.

Worte können also wie sanfte Musik wirken, aber auch wie ein Paukenschlag: Je nach dem, wie sie angewandt werden.

Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg

Mit Worten können wir Menschen trösten, erheitern, streicheln oder aber auch tief verletzen. Wir können bei deren Nutzung Spannung aufbauen und Gänsehaut erzeugen. Sind wir bei der Verwendung unserer Worte einfach gedankenlos, wenn wir etwas schreiben, sagen oder singen, dann können wir Leid und Kummer verursachen, schlimmstenfalls einen Krieg beginnen. (Und sei es auch “nur” ein Familienkrieg zwischen den Generationen).

Worte sind machtvoll. Drum sei vorsichtig, welche Worte Du wie verwendest!

Ich habe vor vielen Jahren an einem Basiskurs zur gewaltfreien Kommunikation teilgenommen. Als ich nach dem zweiten Teil des Workshops nach Hause ging, dachte ich: Warum gibt es dieses Fach nicht in der Schule als Pflichtfach? Wie viele Konflikte und Kriege könnten wir verhindern oder beenden, wenn wir uns dessen bewusst wären, wie wichtig richtige und wertschätzende Kommunikation ist?

In wie vielen Firmen könnten Prozesse besser laufen und in wie vielen Familien könnte man Leid und Trauer vermeiden? Ich versuchte als erwachsene Frau damals die Regeln in meinen Alltag einzubinden. Aber für mein Umfeld wirkte ich “gestelzt” und steif. Natürlich: Weder ich war es gewohnt, so achtsam zu sprechen, noch war es mein Gegenüber gewohnt, dass ich immer nach dessen Bedürfnissen und Gefühlen fragte. Nach drei Wochen gab ich resigniert auf, immer auf meine Worte achten zu wollen. Es war auf Dauer anstrengend, sowohl in Konversationen als auch Diskussionen die Gefühle und Bedürfnisse anderer immer zu hinterfragen, während diese darauf  im Gegenzug besonders verwirrt und ablehnend reagierten.

Und doch achte ich heute mehr denn je auf meine Worte. Meistens gelingt es mir, manchmal nicht. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Weiterentwicklung

Heute sitze ich in meiner Wohnung und arbeite seit Tagen an einer vier Minuten-Rede, die ich für eine Veranstaltung  am 25.3.2022 brauche. Dabei geht es ganz besonders um die Macht der Worte. Es geht darum, Gänsehaut zu erzeugen, dabei meine Botschaft authentisch zu vermitteln und die Herzen derer zu berühren, die ich erreichen möchte. Es geht um das, was mir besonders wichtig ist, es geht um meine Vision und um Hoffnung im Leben und in der Gesellschaft.

Was könnten wir alles auf dieser Welt verändern, wenn wir klarer denn je kommunizieren und die Wahl unserer Worte mit mehr Bedacht anwenden?

Hast Du auch schon solche Momente gehabt, in denen Du nicht wusstest, “wie du es sagen sollst”?

Kommunikation professionell zu betrachten, könnte uns allen sicher weiter helfen. Mein Impuls in diesem Blog-Beitrag liegt darin, zu zeigen, welche Macht meine und auch Deine Worte tatsächlich besitzen.

Auf der Suche nach der richtigen Kommunikation habe ich auch einen Podcast entdeckt, den ich Dir gerne weite empfehle. Die ICHSCHMIEDE ist sehr authentisch und Markus Seiferts Stimme ist tatsächlich auch sehr angenehm. Klicke HIER und Du wirst weiter geleitet zu seinem Podcast über Kommunikation.

Trage meine Worte bitte weiter

Ich beende diesen Blogbeitrag mit einer Bitte: Schicke ihn weiter, empfehle meinen Newslettern anderen Heldinnen und Müttern und lehre Deinen Kindern und Deinen inneren Kind schöne Worte und die Fähigkeit, Sanftheit und Achtsamkeit in die Welt zu tragen.

Ich bedanke mich dafür und wünsche Dir einen wunderbaren Tag oder Abend, je nach dem, zu welchem Zeitpunkt Du diesen Beitrag liest.

Namaste,

 

Deine Deborah

 

 

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