Valentinstag – Einladung an mich selbst

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Valentinstag – Herkunft und Bräuche

Die Geschichte des Valentintages ist hoch interessant und reicht hinein ins Mittelalter.

Da gab es z.B. den heiligen Valentin, der ein Priester war (oder Bischof, da sind sich die Schriften nicht einig), der Kranke heilte, Verliebten Blumen schenkte und diese traute. Der 14.2. gilt als der Tag seiner Hinrichtung.

Aber auch die Römer feierten den 14.Februar: Er galt als Tag der Göttin Juno, der Schutzgöttin für Familie und Ehe, der man dann Blumen schenkte.

Früher war der Valentinstag also nicht nur der Tag der Verliebten, sondern auch der Tag der Jugend, der Familie, der Ehe und der Blumengeschenke.

Der Valentinsbrauch ist allerdings nicht überall auf der Welt gleich. Nicht jeder Frau wird Blumen geschenkt. Zum Beispiel beschenken in Japan am Valentinstag Frauen  nur die Männer (für die Frauen gibt es dann einen anderen Tag, an dem sie beschenkt werden). In England gibt es am Valentinstag statt Blumen Grußkarten mit Gedichten, die anonym verschickt werden. Wer mehr über die Geschichte des Valentinstag lesen möchte, der kann dies hier tun.

Übrigens: Ich persönlich finde die Sache mit der Karte unwahrscheinlich romantisch, wenngleich ich gegen eine rote Rose nichts einzuwenden hätte.

 

(K)eine Erfindung der Blumenhändler

Der Blumenhandel hat den Valentinstag erst 1950 für sich entdeckt. Und seit dem vermehrt beworben. Aber die Bräuche rund um die Blumengeschenke sind sicher nicht diesem Geschäftszweig geschuldet, wie eben festgestellt.

Früher habe ich auch immer diese Ausrede gebraucht und lapidar gemeint, dass ich keine Blumen am Valentinstag bräuchte. Schließlich lass ich mich nicht von irgendwelchen Werbemaßnahmen beeinflussen…

Aber so wie es scheint, war ich doch ziemlich falsch “gestrickt” in meinem Glauben. Und mein Unterbewusstsein war immer ein bisschen traurig, wenn ich von meinem Partner (wenn ich mal einen hatte) einfach”vergessen” wurde. Im Single-Dasein fühlte ich mich auch irgendwie an manchen Jahren besonders einsam, vor allem, wenn andere Frauen auf Facebook Fotos von Blumen oder vom Essen im Lokal mit dem Candlelight-Dinner posteten. War da etwa Neid?

Anerkennung und Wertschätzung

Ich frage mich inzwischen allerdings: Ist der Valentinstag an sich für uns der Tag, an dem wir nach der Anerkennung und Wertschätzung suchen, die wir an den anderen 364 Tagen im Jahr nicht bekommen?

Geht es uns wirklich um Liebe oder den Umstand des “Verliebt seins”?  Oder sind es eher die Bedürfnisse “gesehen, wertgeschätzt und anerkannt zu werden” die uns dazu bringen, Erwartungshaltung an genau diesen einen Tag zu legen?

Sind wir gerade an diesem Tag so enttäuscht, wenn es nicht klappt, weil wir es an anderen Tagen nicht “erhalten” oder erleben können?

“Nicht erhalten” ist nun das Stichwort, bei dem Sie, liebe Leserin, wahrscheinlich hellhörig werden. Als Coach weiß ich (und auch Sie, wenn Sie bereits mindestens einmal im Leben Werte-Arbeit gemacht haben), dass die Wertschätzung und die Liebe aus mir selbst heraus entsteht.

Woran wird unser Wert aber gemessen?

Welcher Coach kennt nicht das Beispiel mit dem Fünfzig Euro Schein, der sowohl zerknüllt als auch nagelneu den gleichen Wert besitzt? Aber seien wir doch ehrlich: Wir sind keine Geldscheine und: Nicht jeden Tag fühlen wir uns hervorragend oder “als besonders wertvolle liebenswerte Menschen”. Vor allem wir Frauen und noch mehr wir Mütter haben ein sehr hohes Anspruchsdenken an uns selbst.

Welcher Held scheitert schon gerne oder gibt gar zu Streicheleinheiten zu benötigen?

Der Valentinstag wird genau für diese Heldinnen zum “Tag des Spiegels”.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

“Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die liebenswerteste Frau im ganzen Land?”

Am Ende ist es tatsächlich der Spiegel, in dem wir am Valentinstag hinein sehen. Wie sehr lieben wir uns selbst? Brauchen wir Zuspruch von Außen, um uns so anzunehmen und wertzuschätzen wie wir sind? Welche Verunsicherungen spiegeln sich heute bei mir? Bin ich liebenswert oder vielleicht nicht?

Mag ich mich und bin ich somit auch damit zufrieden, mir und meiner Familie diesen Tag alleine besonders schön zu gestalten? Schließlich war der Valentinstag ursprünglich auch Tag der Ehe und der Familie.

Wenn wir uns trauen, in diesen Spiegel zu sehen, kann es sein, dass wir Schmerzen aus der Vergangenheit hinein lassen und sie einladen, mit uns diesen Tag zu verbringen.

Der Schmerz aus alten Zeiten

Wenn der Herzschmerz da ist, dann kommt es auf unsere Einstellung ihm gegenüber an.

Wir dürfen ihn wahrnehmen, annehmen, anerkennen und uns freuen, dass sich diese Wunden aus früheren Zeiten endlich zeigen. Und dann wird der Valentinstag zum Tag der Chance, uns weiter zu entwickeln und Heilung zu erfahren.

Da fällt mir ein: Hatte der Priester Valentin nicht auch geheilt?

 

Ich mach mir diesen Tag, so wie ich es will

Es liegt also an uns selbst, wie wir diesen Tag sehen und begehen. Der Valentinstag hat so viele Geschichten und Bräuche, da können wir aus dem Vollen schöpfen. Wir dürfen ihn auch als Tag der Chancen nutzen: Uns und unsere Gefühle wahr nehmen, heisst es nun. Im nächsten Schritt geht es dann darum, auch unsere Bedürfnisse und Erwartungen zu hinterfragen.

Persönliche Reflexion

Ich bin ehrlich: Heute, am 14.2.2021, bin ich ein wenig traurig. Aber nicht, weil ich kein Candlelight-Dinner oder Blumenstrauß erhalten habe, sondern weil ich mich ein bisschen alleine fühle. Mein Sohn ist ausgeflogen zu seiner Freundin mit einem ganz wunderbar romantischem Geschenk. Dazu kommt: In manchen Bereichen meines Lebens läuft es momentan leider nicht ganz so prickelnd, wie ich es mir wünsche.

Auch persönliche Unsicherheiten sind allgegenwärtig: Das Thema “(Selbst)Vertrauen” will gerade verarbeitet werden. Bis diese Themen durch sind und verschwinden, kann es noch ein paar Tage dauern. Mein Blick in den Spiegel zeigt mir heute mein kleines Kind in mir, das gerade in den letzten Wochen mit vielen Wunden aus der Vergangenheit arbeiten durfte und ein wenig erschöpft ist.

Ich, die Erwachsene, musste bereits ein paar tiefgreifende Entscheidungen treffen und stehe nun davor, weitere Lösungen für andere Herausforderungen in meinem Leben zu finden.

Der Ritt auf meiner Welle während des Tsunamis ging die letzten Wochen im Eiltempo weiter, während mein inneres Kind ein wenig vernachlässigt wurde. Allerdings: Der Ritt ist noch nicht zu Ende.

Und genau an diesem Valentinstag kommen Rufe aus der Ecke meines “kleinen Kindes”. Es sucht nach Selbstwert, Stabilität, Sicherheit und ein bisschen mehr (Selbst)Liebe.

Entscheidungen

Ich kann mich in so einem Zustand für einen Weg unter vielen entscheiden. Von Selbstmitleid bis hin zur Ignoranz, alles wäre möglich.

Und da ich den Valentinstag nicht nur als Tag der Verliebten sondern auch als Tag der Familie sehe, werde ich mich heute meinem inneren Kind widmen und mir selbst ein bisschen mehr Achtsamkeit und Liebe schenken. Denn ich kann Selbstfürsorge gut, auch wenn sich manchmal die Erwachsene eine Umarmung und ein paar Streicheleinheiten von anderen wünscht. Schließlich wünschen sich auch Heldinnen mal auszuruhen und gedrückt zu werden. Aber in Zeiten von Corona sind das andere Herausforderungen, mit denen wir alle leben und das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blogbeitrag…

 

 

(Fotos: Pixabay.com)

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4 Kommentare
  1. Anne Baumgart
    Anne Baumgart says:

    Ein sehr schöner, entwaffnend ehrlicher Artikel, der es auf den Punkt bringt. Danke, liebe Deborah! Die Reise beginnt immer bei uns selbst… Genieß den Tag und sei herzlich umarmt! Von dir, von mir, von der ganzen Welt!

    Antworten
    • Deborah Bichlmeier
      Deborah Bichlmeier says:

      Danke schön. Ich wünsche Dir einen wunderschönen Valentinstag und ganz viel Freude draußen im Sonnenschein.
      Herzliche Grüße, Deborah

      Antworten
    • Deborah Bichlmeier
      Deborah Bichlmeier says:

      Sehr gerne, liebe Ildiko. Vielen Dank für Deinen Kommentar dazu. Ich bin mit dem Herzen bei Dir.
      Liebe Grüße, Deborah

      Antworten

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