Leben am Limit – Für eine Vision und mehr Achtsamkeit

Vor etwa zweieinhalb Jahren hatte ich ein Erlebnis, das meinem Leben nach meinem Burnout eine neue Wendung gab. Bei einer Meditation, direkt nach meiner Reha, widerfuhr mir das, was manche „Erleuchtung“ nennen. Ich selbst nenne es „Erkenntnis“. Denn es war genau das: Die Erkenntnis, dass alles in diesem Universum nicht so ist, wie wir es glauben. Ich fühlte, erlebte und wusste plötzlich, dass wir Menschen aus purer Energie bestehen und alle Lebewesen eins und miteinander verbunden sind.

Für Menschen, die nicht meditieren, mag das wohl eher nach einem drogenähnlichen Trip klingen. Ich versichere: Ich habe an diesem Tag und auch die Tage davor und danach weder Drogen noch Alkohol konsumiert.

Nach dieser Meditation, die bei einer großen Veranstaltung von Veit Lindau stattgefunden hatte, ging ich damals nach Hause und änderte meinen Lebensstil radikal.  Ich beschloss einige Wochen später meinen Job aufzugeben, die  letzten Rücklagen, die ich noch hatte, in neue Ausbildungen (zertifizierter Stressmanagement-Coach, ZENbo Balance Trainer und noch viele Andere) zu investieren, mit denen ich etwas bewegen konnte.

Ich sah und sehe seit diesem Erlebnis die Welt mit anderen Augen: Achtsamer, bewusster und allumfassender. Früher dachte ich, ich könnte alles lernen, und dann wäre es irgendwann dann auch gut damit.

Heute weiß ich: Ich lerne jeden Tag neue Dinge dazu und stelle dabei fest, wie wenig ich und andere doch am Ende wissen. Coaches, Therapeuten und Trainer, die sich nicht regelmäßig fortbilden, kann ich nicht ernst nehmen. Und das sollten Sie, liebe Leser auch nicht.

 

Ich habe einen Traum …

Wenn uns heute Visionäre begegnen, werden sie in der Gesellschaft oft belächelt. „Träumen können sie doch nachts, tagsüber möchten sie doch bitte sich in der Realität bewegen und funktionieren…“

Ich frage mich dann: Sind wir bereits so sehr in unseren Schubladen und Schachteln gefangen, als dass wir uns vorstellen könnten, dass Menschen Ihre Träume und Visionen tatsächlich umsetzen und erreichen? Sind wir nur noch Sklaven einer Leistungsgesellschaft, deren Ziel „funktionieren im System“ ist?

Ich habe mich vor zweieinhalb Jahren aus meiner Schublade befreit und mich Peu a Peu von den Dingen abgewandt, die andere Menschen und auch „das System“ gut für mich befunden haben.

Heute lebe ich für meinen Traum. Ich habe die Vision von einer achtsameren Welt mit einem neuen Bildungssystem, das unseren Kindern zeigt, dass Lernen Spaß machen darf und das ihnen beibringt, ihre Potentiale zu entfalten… Ich träume von einer Gesellschaft, die Andersdenkende willkommen heisst und sich freut, mit neuen Ideen konfrontiert zu werden, weil nur der Zustand der Inkohärenz uns zur Weiterentwicklung bringt. In meiner Gesellschaft reden wir nicht mehr von Parasiten, Hartz IV-Empfängern und Sozialschmarotzern.

Ich bin der Ansicht, dass Werte wie Ellbogendenken, Wettbewerb, Profitgier und Reichtum auf Kosten anderer aus unserer Gesellschaft verschwinden müssen. Es wird Zeit für neue Werte wie Würde, (Nächsten)Liebe, Teamarbeit, Potentialentwicklung, Zufriedenheit, Gesundheit, Umwelt und Tierschutz.

Wenn wir so weiter machen, wie bisher, werden wir tatsächlich uns selbst abschaffen. Und das schneller, als wir es sowieso schon seit Jahrzehnten befürchten.

Verantwortung…

Ich trage nicht nur Verantwortung für mich selbst, sondern auch für mein Kind. Mein Sohn ist ein Wunschkind, meine gescheiterte Ehe war so nicht geplant. Heute weiß ich, was schief gelaufen ist. Ich kann die Zeit nicht zurück drehen, ich kann nur Heute das Beste daraus machen und meinem Kind eine liebevolle Kleinfamilie bieten. Und Familie braucht Zeit, Liebe und Engagement. Vor allem auch Achtsamkeit.

Ich bin der Ansicht, dass jeder von uns diese Verantwortung trägt. Und wenn es Menschen gibt, die diese (noch) nicht übernehmen können, weil sie es nicht anders kennen oder gelernt haben, sind wir zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet.

Unsere Kinder lernen am Verhalten der Eltern, Lehrer und Idole. Wir Eltern sind genau so Vorbilder wie Freunde es sind und Lehrer es sein können.

Umso mehr sehe ich mich und auch jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft in der Verantwortung, so zu leben, dass unsere Kinder und deren Freunde vieles davon mit- und übernehmen, aber auch kritisch betrachten.

Wir können unseren Kindern zeigen, was die wirklich wichtigen Werte im Leben sind und dass wir Großkonzernen (wie der Lebensmittelindustrie und der Pharmaindustrie) nicht die volle Kontrolle über unser Leben geben dürfen. Heute sollten wir dazu bereit sein, mit ihnen einen neuen Weg zu beschreiten. Wir müssen anders handeln und leben, als bisher. Weil „bisher“ eben nicht immer so optimal war und die Konsequenzen unseres früheren Handelns diese Welt gerade kaputt machen.

 

Säbelzahntiger und manchmal am Limit …

An manchen Tagen bin sogar ich am Limit: Mit meinem Geld, meinen Kräften und manchmal sogar mit meiner Hoffnung. Jeder, der in der Selbständigkeit ist, kennt die Säbelzahntiger in Form von  Finanzamt, Krankenkasse, Rentenversicherung, Ablehnung und Auftragseinbrüchen.

Ein Unternehmen zu gründen, ist kein Spaziergang. Es ist eher vergleichbar mit Wellenreiten auf einem Tsunami. Wenn man oben steht, ist alles wunderbar, aber immer wieder landet man unter der Welle, vor allem dann, wenn man nicht richtig kalkuliert hat, man für seine Visionen abgelehnt oder belächelt wird oder der Businessplan tatsächlich nicht so eingetroffen ist, wie gedacht…(Kaffeesatzlesen könnte einfacher sein).

Heute frage ich im Coaching meinen Klienten, der sich selbständig machen möchte, nicht, wie er gefühlsmäßig seinen Wert in Euro festlegt, sondern bin pragmatisch und frage: Was brauchst Du am Ende des Monats, unter Berücksichtigung dessen, dass vom Umsatz knapp 40 Prozent Sozialversicherungsbeiträge, 19% MwSt, Miete, Nebenkosten, Versicherungen und Einkommenssteuer abgeführt werden…

Hätte mir vor zwei Jahren mein Coach damals die Frage gestellt, hätte ich mir sicher so einigen Stress erspart und anders kalkuliert. Heute bin ich viele Erfahrungen reicher… und gebe diese gerne weiter.

 

Warum noch weiter machen?

Tatsächlich ist das „Weitermachen“ während man von den genannten Säbelzahntigern gejagt wird, nicht immer ganz so einfach.

Und doch ist es meine Vision, die ich habe, die mich antreibt. Mein Anliegen, mehr Achtsamkeit in die Welt zu bringen, ist wie ein Magnet, der mich nicht loslässt. Ich weiß, dass ich weder die Menschheit noch die Welt verändern kann. Aber ich weiß, dass wir, wenn viele Menschen gemeinsam dieses Anliegen verfolgen, es schaffen können, Bewegung ins Spiel des Lebens zu bringen…

Deswegen habe ich auch so viele Kooperationspartner bei meinem Unternehmen „Vision to Move“(www.vision-to-move.de), die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir haben allerdings alle das gleiche Anliegen. Und das macht das gemeinsame Arbeiten so wundervoll.

Schul-Kinder gehen für die Umwelt demonstrieren. Erwachsene müssen es endlich auch tun und  auch dafür aufstehen, dass unser Bildungssystem sich ändert, dass es keine Massentierhaltung mehr geben darf, dass der Mensch würdevoll alt werden darf, dass wir keine Personalressourcen sind, dass Arbeiten Spaß machen und erfüllend sein darf, … und vieles mehr.

Achtsamkeit leben, bedeutet für mich auch, dass die Würde des Menschen unantastbar bleibt und dass wir mit allen Wesen auf dieser Welt würdevoll und achtsam umgehen…

Hört endlich auf, die letzten Ressourcen der Erde auszuschöpfen. Auch wenn der Mensch individuell ist, so ist und bleibt er mit allem verbunden. Mit der Natur und mit den Tieren…

Mich fragte ein Berater einmal: „Würden Sie das, was Sie beruflich tun, auch tun, wenn Sie kein Geld dafür bekommen?“ Meine Antwort war  und ist heute immer noch ein klares JA!

Und deswegen mache ich weiter, auch wenn ich immer wieder am „Limit lebe“ …. Meine Vision ist es mir wert …

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